F.A.Q.

Antworten auf häufige Fragen zum Thema Stimme und Gesang

 

Warum geht mir beim Singen immer die Puste aus?

Der Grund, warum vielen Sängern/Sängerinnen beim Singen „die Puste ausgeht“ ist nicht, dass sie zu wenig Luft zur Verfügung haben, sondern vielmehr, dass sie zu viel Luft zum Singen verwenden. Oft erreichen diese Sänger hohe Töne nur mit sehr großer Anstrengung und indem Sie „kräftig Gas geben“. Zum Singen benötigt man jedoch kaum mehr Luft als zum Sprechen- wenn die Technik stimmt. Normalerweise verschwindet das „Problem“ mit der Luft automatisch, wenn die Stimme (wieder) gelernt hat, vor allem die Muskulatur innerhalb des Kehlkopfes zum Singen zu benutzen.

 

Warum werde ich nach dem Singen immer heiser?

Siehe oben! Der Grund für Heiserkeit liegt meistens auch in einem „Zuviel an Luft“. Die Stimmlippen sind mit einem Dünnen Film aus Schleim überzogen, die sie vor dem Austrocknen schützen sollen. Wenn nun dauerhaft zu viel Luft über die Stimmlippen zieht, wird dieser Film im wahrsten Sinne des Wortes „weggeblasen“ und die Stimmlippen reagieren darauf empfindlich mit Schwellungen die dazu führen, dass die Stimmlippen nicht mehr ausreichend „schließen“. Daher wird der Ton schwächer und der Sänger/die Sängerin versucht dies mit mehr Anstrengung und mehr Luft zu kompensieren und schon beginnt der Kreis von neuem. Durch die Anstrengung verlieren die Stimmlippen nach und nach ihre Elastizität und damit wird es dann zu allem Überfluss auch noch schwieriger, die Töne richtig zu treffen.

 

Aber braucht man denn keine spezielle Atemtechnik zum Singen?

Wer sich mit dem Thema Singen auseinandersetzt, stößt früher oder später auch auf die Begriffe „Zwerchfellatmung“ und „Stütze“. Leider sorgen diese immer wieder für Missverständnisse und Verunsicherung bei vielen Sängern. Um eines Vorweg zu nehmen: Singen ist ohne „Zwerchfellatmung“ genauso unmöglich, wie das Atmen selbst!

Das liegt in der Natur der Sache,  denn das Zwerchfell ist der Muskel, der beim Atmen die Hauptrolle spielt.
Was mit „Zwerchfellatmung“ meist gemeint ist, ist die sogenannte „Bauchatmung“, die sich darin bemerkbar macht, dass beim Atmen ein geringerer Muskelaufwand erforderlich ist als bei der sogenannten „Brustatmung“.  Äußerlich erkennt man die „Brustatmung“ daran, dass sich der obere Teil des Brustkorbs hebt und senkt, während sich bei der „Bauchatmung“ die obere Bauchdecke sowie – im Idealfall – die unteren Rippen heben und senken.

Oft wird im klassischen Gesangsunterricht versucht, das Zwerchfell zu „kräftigen“, um die Stimme besser zu „stützen“. Tatsache ist aber, dass das Zwerchfell auf jeden Fall kräftig genug ist! Wenn wir jemandem aufgeregt etwas erzählen oder lauthals streiten, dann fehlt uns auch nicht die Luft oder die „Stütze“ , um unseren Punkt auch über eine längere Strecke hinweg klar zu machen. Ein Fußballfan, der seine Mannschaft beim Heimspiel lautstark anfeuert, muss damit auch  nicht aufhören, weil er keine Puste mehr hat, sondern vielmehr, weil seine „Stimmbänder irgendwann aufgeben“!

Ein Sänger sollte sich seine Atmung bewußt machen, aber eine „Gute Atmung“ im sängerischen Sinne ist vor allem das Resultat einer effizienten Koordination der am Singen und Sprechen beteiligten Muskulatur sowohl innerhalb als auch außerhalb des Kehlkopfes.

 

Wie funktioniert Singen überhaupt und warum gibt es dabei manchmal Probleme?

Anatomisch gesehen und stark vereinfacht ausgedrückt wird die Stimme über das koordinierte Zusammenspiel verschiedener Muskeln am und vor allem innerhalb des Kehlkopfes, der Stimmlippen, und der richtigen Menge an Atemluft aktiviert. Beim Singen kommt ausserdem natürlich noch unsere Vorstellung über Tonhöhe, Klangfarbe, Intensität etc. hinzu.

Probleme beim Singen entstehen meist, wenn Sänger/innen unwillkürlich oder absichtlich Muskeln ausserhalb des Kehlkopfes zur Klangformung „falsch“ benutzen. Damit kommen sie häufig dem „natürlichen“ Ablauf der „Klangerzeugung“ in die Quere was dazu führt, dass die Stimme nicht mehr effizient arbeiten kann.
Nur wenn diese Effizienz vorhanden ist, kann man seine Stimme „frei bewegen“.


Wie ist das mit der Kopf- und Bruststimme – wieviele Stimmen gibt es überhaupt?

Die Ausdrücke Brust- und Kopfstimme beziehen sich vor allem auf die Resonanzen, die wir beim Entstehen von Tönen wahrnehmen. Diese sind von der Tonhöhe und der jeweiligen Koordination der entsprechenden Muskelgruppen des Stimmapparates abhängig.

Im klassischen Gesangsunterricht wird dabei von „Stimmregistern“ gesprochen.

Schnell erklärt zum Mitmachen:

Bruststimme:

Lege eine Hand auf den oberen Bereich Deines Brustkorbes.

Singe ein mittellautes, langgezogenes „Aaaah“. Der Ton sollte nur so tief sein, dass Du ihn noch bequem singen kannst. Die Vibrationen, die der Ton verursacht, sollten nun, neben den Vibrationen Mund- und evtl. Nasenraum vor allem im oberen Bereich Deiner Brust zu spüren sein. Bei Frauen ist diese Vibration in der Regel weniger deutlich ausgeprägt, weil nur tiefe Töne in der Lage sind, diese Art von Vibration hervorzurufen.

 Kopfstimme:

Lass´ Deine Hand noch einen Augenblick auf Deiner Brust liegen und singe ein mittellautes, langgezogenes, hohes  „Huuuuu“(wie eine Eule).
Nun solltest Du bemerken, dass die Vibrationen unter Deiner Hand verschwunden sind, also nicht mehr oder zumindest wesentlich weniger stark im Bereich Deiner Brust zu spüren sind.

Mit einem bisschen Glück spürst Du die Resonanzen des Tones nun vor allem „in Deinem Kopf“ (z.B. im Mund- Nasenraum, zu spüren sein – das wäre dann die „Kopfstimme“.

Wenn Du den langen Ton wie eine Sirene auf und ab singst, kannst Du dieses „Wandern der Resonanz“ am Besten spüren!

Gut, das wäre das „Grundsätzliche“

Zu den Begriffen Kopf- und Bruststimme“ gibt es allerdings unterschiedliche Definitionen und ziemlich viele unterschiedliche Meinungen und Erfahrungen unter Sängern, Gesangslehrern und „Experten“ und damit auch jede Menge Missverständnisse.

Beim Singen solltest Du Dir darüber keinerlei Gedanken machen (müssen) – dies ist ein Hauptziel meines Gesangsunterrichtes.

Für Dich als Sänger/in ist entscheidend, dass Du tiefe und hohe Töne mit Deiner Stimme produzieren kannst, und ob das Ganze dann Kopf- oder Bruststimme ist, kann Dich relativ kalt lassen, solange das Ergebnis dem entspricht, was Du Dir vorstellst.

 

Wenn ich hohe Töne singen will, dann bricht meine Stimme weg oder klingt nur ganz leise! Warum ist das so?

Für die unterschiedlichen Tonhöhen müssen die Stimmlippen und die entsprechende Muskulatur innerhalb des Kehlkopfes bestimmte „Einstellungen“ vornehmen, um die Töne erklingen zu lassen. In den Bereichen, wo zwischen tiefen und hohen Tönen „umgeschaltet“ werden muss, kann es dazu kommen, dass die entsprechende Koordination der Muskeln nicht so reibungslos funktioniert, wie man es sich als Sänger/in eigentlich wünscht. Diese Bereiche werden „Übergänge“ („Passagio“) genannt. Um die Töne innerhalb dieser Bereiche genauso kräftig und in der gleichen Tonqualität wie die anderen Töne singen zu können, muss die Koordination der einzelnen Elemente stimmen, damit sich die Stimmbereiche „mischen“ können und diese Übergänge somit nicht mehr zu hören sind. Dabei spricht man z.B. von der „Glättung der Registerübergänge“ bzw. der „Mixed Voice“, wie man sie bei vielen Sängern und Sängerinnen hören kann. Bei den sogenannten „Natursängern“, also Menschen, die ohne jegliche Ausbildung effizient, ausdrucksstark und meist mit unbewusst hervorragender Technik singen, stimmt dieses Verhältnis. Durch mangelnde oder falsche Übung, oder dauernden „falschen“ Gebrauch der Stimme kann diese Balance gestört sein, weshalb es dann zu hörbaren „Brüchen“ der Stimme kommt. Mit entsprechendem Training kann diese Balance wieder hergestellt werden – was einen Großteil der Arbeit eines Gesangslehrers ausmacht.


Wozu brauche ich  Gesangsstunden? Es gibt doch so viele Bücher und CDs!

Es gibt auf dem Büchermarkt eine Vielzahl methodisch aufgebauter Bücher zum Thema Singen und ich habe auch einige Autodidakten kennengelernt, die unter Zuhilfenahme entsprechender Literatur mit Übungen auf CD oder DVD unglaublich viel über das Thema „Singen und Stimme“ gelernt haben. Einige haben sich auch tatsächlich eine solide, gesunde Technik angeeignet. Der Vorteil von Gesangsunterricht liegt aber darin, dass ein Gesangslehrer durch seine Erfahrung leichter beurteilen kann, ob ein Schüler „auf dem richtigen Weg“ ist, oder ob er Fehler macht, die seinen Fortschritt behindern. So manche Übung kann der Stimme auch mehr schaden als nutzen! Ein Gesangslehrer erspart so manchen „Umweg“ und hat so manche individuelle Lösung parat, die ein Buch in der Form niemals bieten könnte. Außerdem geht ein guter Gesangslehrer in seiner Arbeit auf die jeweilige Persönlichkeit des Sängers/der Sängerin ein, was über das „gedruckte Wort“ ebenfalls nur schwer zu erreichen ist.
Übrigens: auch die allermeisten „Stars“, die wir täglich im Radio hören, haben ihre Gesangslehrer (neudeutsch: Vocal Coaches), mit denen sie an ihrer Stimme arbeiten.


Wie finde ich den passenden Gesangslehrer für mich?

Da gibt es nur eines: ausprobieren! Die meisten Gesangslehrer bieten zu diesem Zweck Probestunden an (ja, ich natürlich auch :-) ) , in denen man schnell sehen kann, ob „die Chemie“ stimmt. Wichtig ist, dass Du schnell eine positive Entwicklung Deiner Stimme bemerkst. Ein guter Gradmesser dafür ist, ob sich die Übungen, die der Gesangslehrer mit Dir macht „gut anfühlen“, und ob Du das Gefühl hast, Deinem Ziel damit wirklich näher zu kommen.

 

Weiteren Input zum Thema „Stimme, Gesang und mehr“ findest Du auch in meinem Weblog